Früher, als die Welt noch klein war und Urlaub irgendwo zwischen Nordsee oder Alpen gemacht wurde, war Essengehen einfach: Wo überwiegend Autos mit einheimischen Kennzeichen standen, wo man mehrheitlich Platt sprach oder schwäbelte, da konnte man guten Gewissens einkehren. Doch woher sollen Sie wissen, ob im Steak-Restaurant in Manhattan echte New Yorker sitzen oder bloß Touristen aus Oklahoma City, die hier gleich genauso abgekocht werden wie der Lobster fürs Surf and Turf?
In diesem Fall geht ausnahmsweise mal Studieren über Probieren: Denn vor allem der kritische Blick in die Speisekarte kann vor kulinarischen Fehltritten bewahren. Sie ist das wahre Aushängeschild jedes Restaurants; nicht etwa die Anzahl der Sterne in Online-Portalen (bei denen es zuletzt teilweise krasse Fälle von Fake-Bewertungen gab). Dabei verhalten sich Qualität und Anzahl der Gerichte oft antiproportional, sprich: Wer von Aal bis Zicklein alles im Angebot hat, was Meer, Wiese, Wald und Garten hergeben, kommt meist um Tiefkühlprodukte nicht herum.
Dagegen sind Herkunftsbezeichnungen (Simmentaler Weiderind), lokale Bezüge und eine klare kulinarische Handschrift (also echte Spezialitäten des Hauses, nicht etwa Sushi UND Pizza UND Schnitzel-Pommes) meist Zeichen dafür, dass hier Wert auf Qualität gelegt wird. Wo hingegen „Fotobücher“ verteilt, Touristen-Menüs angepriesen und die Kellner einen förmlich ins Lokal quatschen, zählen oft nur Quantitäten: möglichst viele Gäste, möglichst preiswerter Materialeinsatz, möglichst geringer Aufwand (also: Fertigprodukte). Platz für eine persönliche Note bleibt da kaum – und genau diesen Platz braucht ein guter Koch.

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